Cold Brew zu Hause zubereiten: einfaches Rezept

Cold Brew entsteht, indem gemahlener Kaffee lange in kaltem oder zimmerwarmem Wasser zieht und danach gefiltert wird. Für ein einfaches Rezept zu Hause beginnen Sie mit 80 g grob gemahlenem Kaffee auf 700 ml Wasser, lassen die Mischung 12 bis 16 Stunden im Kühlschrank ziehen, filtern sie sorgfältig und servieren sie pur, verdünnt oder auf Eis.

Die Methode braucht weder eine Spezialmaschine noch einen komplizierten Handgriff. Entscheidend sind ein passender Mahlgrad, ein klares Verhältnis und etwas Vorausplanung.

Das kurze Cold-Brew-Rezept für zu Hause #

Element Praktischer Ausgangspunkt
Kaffee 80 g, wenn möglich frisch gemahlen
Wasser 700 ml, frisch und geschmacklich neutral
Mahlgrad Grob, ähnlich wie für French Press
Ziehzeit 12 bis 16 Stunden im Kühlschrank
Filtration Papierfilter, sauberes Passiertuch oder feiner Metallfilter
Servieren Auf Eis, mit Wasser, Milch oder Pflanzendrink
Aufbewahrung Für die Qualität idealerweise 3 bis 5 Tage gekühlt, ohne allgemeingültige Haltbarkeitsgarantie
  1. Kaffee grob mahlen.
  2. Kaffee in ein Glas, eine Karaffe oder eine French Press geben.
  3. Kaltes Wasser hinzufügen und umrühren, damit das gesamte Mahlgut benetzt ist.
  4. Abdecken und 12 bis 16 Stunden in den Kühlschrank stellen.
  5. Langsam filtern, ohne den Kaffeesatz stark auszupressen.
  6. Probieren und verdünnen, wenn das Ergebnis zu konzentriert ist.

So erhalten Sie eine flexible Cold-Brew-Basis, die oft milder wahrgenommen wird als abgekühlter heiss gebrühter Kaffee. Sie ist aber weder zwingend «säurefrei» noch automatisch koffeinärmer. Beide Punkte brauchen etwas Einordnung.

Was ist Cold Brew genau? #

Cold Brew bezeichnet Kaffee, der ohne heisses Wasser extrahiert wird. Kaltes Wasser löst die Bestandteile langsamer. Das ergibt häufig eine rundere, weniger trockene und weniger bittere Tasse als heiss gebrühter Kaffee, der über Eis gegossen wird.

Cold Brew ist nicht dasselbe wie klassischer Iced Coffee. Dieser wird meistens heiss zubereitet und schnell abgekühlt. Cold Brew wird von Anfang an kalt extrahiert. Dadurch kann er im Mund weicher wirken, mit weniger wahrgenommener Bitterkeit und mehr Süsse.

Chemische Analysen verlangen dennoch genaue Formulierungen. Eine Studie in Scientific Reports verglich heiss und kalt gebrühten Kaffee. Die gemessenen pH-Werte lagen ähnlich zwischen 4,85 und 5,13, während heiss gebrühte Proben mehr titrierbare Säuren enthielten (Scientific Reports, 2018). Cold Brew kann also milder schmecken, ist aber kein neutrales Getränk.

Wenn Sie vor allem eine zu spitze Tasse vermeiden möchten, ergänzt der Ratgeber zu zu saurem Kaffee dieses Rezept.

Welcher Kaffee eignet sich für Cold Brew? #

Ein guter Cold Brew beginnt mit Kaffee, der schon vor dem Ansetzen angenehm ist. Er muss nicht besonders teuer sein. Vermeiden Sie aber sehr alten, deutlich abgestandenen oder viel zu fein gemahlenen Kaffee.

Für ein mildes, leicht zugängliches Ergebnis:

  • Kaffee aus Brasilien oder Kolumbien kann schokoladige, nussige oder karamellige Noten ergeben;
  • Kaffee aus Äthiopien oder Kenia kann fruchtiger und lebhafter wirken;
  • eine mittlere Röstung passt oft besser als eine sehr dunkle, wenn Sie Frische suchen;
  • eine Mischung mit Robusta kann mehr Körper und Koffein, aber auch mehr Bitterkeit bringen.

Diese Profile sind Ausgangshypothesen, keine vom Land garantierten Signaturen. Varietät, Terroir, Aufbereitung, Röstung, Alter und Rezept können ebenso wichtig sein wie die Herkunft auf der Packung.

Cold Brew rundet Ecken häufig ab, verwandelt schlechten Kaffee aber nicht in guten. Wenn Sie zwischen zwei Profilen schwanken, setzen Sie zwei kleine Gläser mit demselben Verhältnis an und vergleichen am nächsten Tag.

Welcher Mahlgrad ist richtig? #

Verwenden Sie einen groben Mahlgrad, ähnlich wie für French Press. Zu feines Mahlgut erschwert die Filtration, hinterlässt mehr Partikel in der Flasche und kann schlammig oder bitter wirken. Eine übermässig grobe Mahlung kann eine dünne Tasse ergeben, besonders bei kurzer Ziehzeit.

Optisch sollten die Partikel eher an grobes Salz als an Espressopulver erinnern. Mehr dazu steht im Ratgeber zum Mahlgrad nach Zubereitungsart.

Wenn Sie beim Röster mahlen lassen, bestellen Sie einen Mahlgrad für French Press oder Cold Brew. Bei bereits gemahlenem Filterkaffee können Sie die Ziehzeit etwas verkürzen und mit Papier nachfiltern, um Ablagerungen zu begrenzen.

Kaffee-Wasser-Verhältnis: trinkfertig oder Konzentrat? #

Das Verhältnis hängt davon ab, wie Sie den Cold Brew servieren möchten.

Ziel Empfohlenes Verhältnis Beispiel Servieren
Trinkfertiger Cold Brew 1:8 bis 1:10 80 g auf 700 bis 800 ml Pur auf Eis
Etwas kräftiger 1:7 100 g auf 700 ml Mit einigen Eiswürfeln oder wenig Wasser
Konzentrat zum Verdünnen 1:4 bis 1:5 140 g auf 700 ml 1 Teil Konzentrat + 1 Teil Wasser oder Milch

Für den Einstieg sind 80 g auf 700 ml unkompliziert: ausdrucksstark, aber nicht aggressiv. Beschriften Sie eine Flasche mit Konzentrat, damit es nicht versehentlich wie normaler Kaffee getrunken wird.

Sie können auch in Tassen rechnen. Der Ratgeber Wie viele Tassen ergeben 250 g Kaffee? liefert dafür nützliche Anhaltspunkte.

Ziehzeit: 12, 16 oder 24 Stunden? #

Die meisten Rezepte für zu Hause liegen zwischen 12 und 24 Stunden. Praktisch ergeben 12 bis 16 Stunden im Kühlschrank bereits eine ausgewogene Tasse. Nach 18 bis 24 Stunden kann der Körper zunehmen, je nach Röstung aber auch ein schwerer, holziger oder bitterer Eindruck entstehen.

Eine Studie zur Extraktionskinetik beobachtete in den getesteten Proben für Koffein und Chlorogensäure nach ungefähr 6 bis 7 Stunden ein Gleichgewicht, obwohl gängige Rezepte häufig länger ziehen (Scientific Reports, 2017). Das bedeutet nicht, dass immer nach 7 Stunden gefiltert werden muss. Weitere Aromastoffe und die sensorische Wirkung zählen ebenfalls. Es zeigt aber, dass 24 Stunden nicht automatisch besser sind.

Ein einfacher Anhaltspunkt:

  • 10 bis 12 Stunden: leichter und klarer;
  • 12 bis 16 Stunden: für viele Kaffees ausgewogen;
  • 18 bis 24 Stunden: dichter, gelegentlich bitterer;
  • mehr als 24 Stunden: für ein Hausrezept selten sinnvoll.

Klar filtern #

Die Filtration prägt die Textur stark. Eine French Press ist praktisch, doch ihr Metallfilter lässt feine Partikel passieren. Für klareren Cold Brew drücken Sie langsam und führen das Getränk danach durch einen gespülten Papierfilter oder ein sauberes Passiertuch.

Pressen Sie den Kaffeesatz nicht kräftig aus. Das beschleunigt die Filtration etwas, kann aber mehr Partikel und Bitterkeit in die Tasse bringen. Läuft der Kaffee sehr langsam durch, war der Mahlgrad wahrscheinlich zu fein.

Die einfachste Ausstattung:

  • ein grosses Glas mit Deckel;
  • ein Löffel;
  • ein feines Sieb;
  • ein Papierfilter oder Passiertuch;
  • eine saubere Flasche zur Aufbewahrung.

Eine French Press eignet sich auch als Behälter. Die Methode ähnelt dem Ratgeber für Kaffee aus der French Press, verwendet aber kaltes Wasser und eine deutlich längere Ziehzeit.

Cold Brew servieren #

Probieren Sie immer zuerst. Ist der Kaffee ausgewogen, servieren Sie ihn einfach auf grossen Eiswürfeln. Ist er zu intensiv, verdünnen Sie mit etwas kaltem Wasser. Fehlt Rundheit, passen ein Schuss Milch, Pflanzendrink oder Zuckersirup.

Einfache Ideen:

  • Cold Brew pur auf Eis;
  • Cold Brew mit Haferdrink für eine weiche Textur;
  • Cold Brew mit Orangenzeste beim Servieren, nicht zwingend während der ganzen Ziehzeit;
  • Cold Brew mit Zuckersirup, weil Kristallzucker sich kalt schlecht löst;
  • Cold Brew Tonic mit viel Eis und einem wenig gesüssten Tonic Water.

Weitere Varianten finden Sie bei den sommerlichen Kaffeegetränken.

Koffein: Vorsicht mit Konzentraten #

Cold Brew ist nicht automatisch koffeinärmer als heiss gebrühter Kaffee. Der endgültige Gehalt hängt vor allem von Kaffeemenge, Verhältnis, Ziehzeit, Bohne und Verdünnung beim Servieren ab.

Ein Konzentrat im Verhältnis 1:4 oder 1:5 kann viel Koffein liefern, wenn es unverdünnt in einem grossen Glas landet. Ein trinkfertiger Cold Brew von 1:9 mit Eis kann dagegen näher bei Filterkaffee liegen. Die EFSA weist darauf hin, dass Koffein das zentrale Nervensystem stimuliert und die Gehalte je nach Zubereitung stark schwanken (EFSA).

Wenn Sie empfindlich reagieren, meiden Sie grosse Gläser am späten Nachmittag. Kälte und Süsse lassen Cold Brew leicht wirken, obwohl er weiterhin Kaffee ist.

Aufbewahrung und Lebensmittelsicherheit #

Bewahren Sie gefilterten Cold Brew in einer sauberen, geschlossenen Flasche oder einem Glas im Kühlschrank auf. Für zu Hause sind 3 bis 5 Tage ein bewusst kurzer Qualitätswert, keine validierte Sicherheitsdauer für jedes Rezept. Bereiten Sie weniger zu, wenn Behälter, Wasser, Filter oder Handhabung nicht zuverlässig sauber sind.

Einfache Regeln:

  • Trinkwasser und saubere Geräte verwenden;
  • Behälter vor Gebrauch reinigen;
  • Karaffe im Kühlschrank nicht offen stehen lassen;
  • nicht direkt aus der Flasche trinken;
  • Cold Brew nach dem Servieren wieder kalt stellen;
  • bei jedem Zweifel entsorgen, denn ein normaler Geruch beweist keine Sicherheit.

Kaltextraktion ist kein thermischer Abtötungsschritt. In einer 2025 veröffentlichten Belastungsstudie überlebten Salmonella, E. coli O157:H7 und Listeria monocytogenes mehrere Tage in gefiltertem, sterilisiertem und danach gezielt beimpftem Cold Brew. Das Versuchsdesign misst nicht, wie wahrscheinlich eine Kontamination zu Hause ist. Es zeigt aber, dass Zeit und Kälte ein bereits kontaminiertes Getränk nicht desinfizieren (Journal of Food Safety, 2025).

Das BLV empfiehlt, verderbliche Lebensmittel und Reste gekühlt aufzubewahren, Kühlprodukte sofort einzuräumen und Lagerhinweise zu beachten. Diese Vorsicht ist unverzichtbar, sobald Milch, Rahm, Pflanzendrink oder hausgemachter Sirup hinzukommen.

Häufige Fehler #

Zu fein mahlen #

Das ist der häufigste Fehler. Der Kaffee lässt sich schlecht filtern und wirkt staubig. Wählen Sie zuerst einen gröberen Mahlgrad, bevor Sie die Ziehzeit verlängern.

Zu wenig Kaffee verwenden #

Ein dünner Cold Brew entsteht oft durch ein zu schwaches Verhältnis. Probieren Sie 80 g auf 700 ml und passen Sie danach an.

Cold Brew mit Iced Coffee verwechseln #

Heissen Kaffee über Eis zu giessen ist schnell und kann sehr gut schmecken, nutzt aber eine andere Extraktion. Für einen schnellen Iced Coffee passt diese Methode. Für die typische Rundheit von Cold Brew braucht es die langsame Kaltextraktion.

Zu lange ziehen lassen #

Eine sehr lange Ziehzeit garantiert nicht mehr Aroma. Wird der Cold Brew schwer oder bitter, gehen Sie auf 12 oder 14 Stunden zurück.

Milch vor der Aufbewahrung zugeben #

Lagern Sie den Cold Brew schwarz und geben Sie Milch oder Pflanzendrink erst beim Servieren dazu. Das schmeckt frischer und ist einfacher sicher aufzubewahren.

Häufige Fragen #

Funktioniert Cold Brew mit fertig gemahlenem Kaffee? #

Ja, das Ergebnis hängt aber vom Mahlgrad ab. Bei feinem Kaffee mit Papier filtern und die Ziehzeit verkürzen. Wenn Sie wählen können, nehmen Sie eine grobe Mahlung.

Im Kühlschrank oder bei Raumtemperatur ziehen lassen? #

Der Kühlschrank ist zu Hause die vorsichtigere Wahl. Die Extraktion kann etwas langsamer sein, doch die Temperatur lässt sich leichter kontrollieren. Bei Raumtemperatur gibt es keinen Abtötungsschritt und die Methode ist nicht mit einer heissen Zubereitung gleichzusetzen.

Kann man Cold Brew in einer French Press machen? #

Ja. Kaffee und Wasser einfüllen, kalt ziehen lassen und langsam herunterdrücken. Für eine klarere Tasse danach durch Papier filtern.

Ist Cold Brew weniger sauer? #

Er wird oft als weniger sauer und bitter wahrgenommen, sein pH-Wert kann aber ähnlich wie bei heiss gebrühtem Kaffee sein. Der Unterschied betrifft vor allem Extraktion und titrierbare Säure, nicht die vollständige Abwesenheit von Säure.

Kann man direkt mit Milch extrahieren? #

Technisch ja, doch die Methode ist hygienisch empfindlicher und weniger praktisch. Für eine milchige Version Cold Brew mit Wasser zubereiten und die Milch beim Servieren hinzufügen. Mehr dazu steht im Ratgeber Cold Brew direkt mit Milch ansetzen.

Fazit #

Für zuverlässigen Cold Brew zu Hause zählen drei Dinge: grober Mahlgrad, klares Verhältnis und sorgfältige Filtration. Beginnen Sie mit 80 g Kaffee auf 700 ml Wasser, lassen Sie 12 bis 16 Stunden im Kühlschrank ziehen und verändern Sie danach jeweils nur einen Parameter.

Cold Brew ist einfach, aber nicht beliebig. Wer Verhältnisse, Ziehzeiten und bevorzugte Kaffees notiert, erhält ein regelmässigeres Getränk. Beherrschen Sie die Basis, können Sie Herkunft, Verdünnung, Eis, Milch und Sommerrezepte variieren, ohne die Balance zu verlieren.