Kaffeegetränke im Vergleich: Arten, Grössen und Verhältnisse

Kaffee zu bestellen scheint einfach, bis auf der Karte Ristretto, Lungo, Flat White, Cortado, Latte macchiato und Americano stehen. Manche dieser Namen bezeichnen recht genaue Rezepte, andere eher Serviergewohnheiten, die je nach Land, Barista und Tassengrösse variieren.

Dieser Ratgeber bietet deshalb praktische Anhaltspunkte statt starrer Regeln. Das Istituto Espresso Italiano beschreibt in seinem italienischen Zertifizierungspflichtenheft beispielsweise einen Espresso von ungefähr 25 ml. Das ist keine universelle Definition. Auch die Standards der Specialty Coffee Association schaffen eine gemeinsame Sprache für Messung und Beurteilung, ohne jedem Betrieb dasselbe Rezept vorzuschreiben. Die folgenden Mengen sind übliche Serviergrössen, die an Dosis, Brühverhältnis und Geschmack angepasst werden sollten.

Mehr zur Technik erfahren Sie in unseren Ratgebern zum Espresso zu Hause und zum passenden Mahlgrad für jede Zubereitungsart.

Schwarze Kaffeegetränke auf Espressobasis #

Espresso #

Übliches Volumen: 25 bis 35 ml

Espresso ist ein kurzes Getränk, das unter Druck mit feinem Mahlgrad und häufig in ungefähr 25 bis 30 Sekunden zubereitet wird. Er konzentriert Aromen, Öle und eine feine Crema. Zudem bildet er die Basis der meisten Milchgetränke.

Ein brauchbarer Startpunkt zu Hause ist ein einfaches Verhältnis, beispielsweise 18 g Kaffeemehl für 36 g Getränk bei einem doppelten Espresso. Danach entscheidet der Geschmack. Eine aggressiv saure Tasse kann auf eine zu geringe Extraktion hindeuten, ein trockenes und sehr bitteres Gefühl auf eine zu starke. Diese Hinweise sind nicht eindeutig: Röstung, Wasser, Temperatur, Verteilung und der Kaffee selbst beeinflussen das Ergebnis ebenfalls.

Ristretto #

Übliches Volumen: 15 bis 25 ml

Ein Ristretto ist ein kürzer bezogener Espresso. Die Kaffeedosis ist ähnlich, doch der Bezug wird früher beendet. Das Getränk ist oft dichter, weniger verdünnt und sirupartiger. Die Bitterkeit kann schwächer wirken als bei einem sehr langen Espresso.

Kurz bedeutet nicht automatisch mehr Koffein. Weil weniger Wasser durch das Kaffeemehl fliesst, kann die gesamte Koffeinmenge ähnlich hoch oder niedriger sein als bei einem normalen Espresso, obwohl der Geschmack intensiver wirkt.

Lungo #

Übliches Volumen: 50 bis 90 ml

Ein Lungo entsteht durch einen längeren Espressobezug und nicht durch nachträglich zugegebenes Wasser. Das ergibt mehr Getränk, kann aber auch mehr bittere und adstringierende Stoffe lösen. Der Stil passt zu manchen Kaffees besser als zu sehr dunklen Röstungen.

Wenn Sie eine längere, sanftere Tasse möchten, lässt sich ein Americano oft leichter kontrollieren als ein übermässig verlängerter Bezug.

Doppelter Espresso #

Übliches Volumen: 50 bis 70 ml

Ein doppelter Espresso besteht aus zwei gemeinsam oder nacheinander extrahierten Dosen. In modernen Cafés ist er oft die Standardbasis für Milchgetränke, weil der Kaffee gegenüber der Milch präsenter bleibt.

Orientieren Sie sich zur Vermeidung von Missverständnissen an Dosis und Getränkemenge. Ein Doppelter kann beispielsweise mit 16 bis 20 g Kaffeemehl beginnen und je nach Rezept 32 bis 45 g Espresso ergeben.

Americano #

Übliches Volumen: 120 bis 250 ml

Für einen Americano werden ein oder zwei Espressi mit heissem Wasser verdünnt. Er sieht Filterkaffee ähnlich, behält geschmacklich aber den Charakter eines verdünnten Espressos. Er besitzt oft mehr Crema und Körper, jedoch weniger aromatische Klarheit als ein sorgfältig gebrühter Filterkaffee.

Beginnen Sie mit einem Teil Espresso und zwei bis vier Teilen heissem Wasser. Passen Sie zunächst die Verdünnung an, bevor Sie das Espressorezept verändern.

Schwarzer Kaffee ohne Espressobezug #

Filterkaffee #

Übliches Volumen: 180 bis 300 ml

Filterkaffee wird ohne hohen Druck durch Perkolation zubereitet. Florale, fruchtige oder lebhafte Noten von Spezialitätenkaffee lassen sich dadurch oft leichter erkennen. Eine grosse Tasse kann insgesamt mehr Koffein enthalten als ein einzelner Espresso, vor allem weil Dosis und Trinkmenge grösser sind. Das gilt nicht automatisch: Laut EFSA sind Koffeinangaben für Kaffee Näherungswerte und hängen von Bohne und Zubereitung ab.

Filtermethoden eignen sich gut für helle bis mittlere Röstungen und für Kaffees, die Sie möglichst präzise degustieren möchten.

French Press #

Übliches Volumen: 200 bis 350 ml

Die French Press ergibt eine stärker texturierte Tasse, weil ihr Metallfilter mehr Öle und feine Partikel durchlässt als Papier. Sie braucht einen gröberen Mahlgrad als Espresso und eine längere Kontaktzeit.

Sie passt zu Personen, die viel Körper, ein breites Mundgefühl und eine einfache Zubereitung suchen.

Moka-Kanne #

Übliches Volumen: ungefähr 40 bis 80 ml pro kleiner Portion, je nach Kanne

Eine Moka-Kanne erzeugt konzentrierten Kaffee, indem Dampfdruck Wasser durch das Kaffeemehl treibt. Sie arbeitet jedoch nicht wie eine Espressomaschine mit Pumpe. Die von Herstellern genannten «Tassen» sind kleine, für diese Kannen typische Einheiten und keine grossen Haushaltstassen. Das Resultat ist kräftig und dicht und eignet sich für alle, die ohne elektrische Espressomaschine intensiven Kaffee möchten.

Unser Ratgeber erklärt die Zubereitung mit der Moka-Kanne und die wichtigen Sicherheitspunkte ausführlich.

Kaffeegetränke mit Milch #

Cappuccino #

Übliches Volumen: 150 bis 180 ml

Ein Cappuccino verbindet Espresso, warme Milch und Schaum. Das Pflichtenheft des Istituto Espresso Italiano verwendet ungefähr 25 ml Espresso und 100 ml dampftexturierte Milch. Dies ist der Richtwert dieser Zertifizierung und keine überall gültige Definition. In Spezialitätencafés werden häufig 150 bis 180 ml mit feinerem, glänzenderem Schaum statt einer dicken, trockenen Haube serviert.

Ein guter Cappuccino bleibt ausgewogen: Die Milch mildert den Espresso, ohne ihn zu verdecken. Unser Ratgeber zum Cappuccino zu Hause behandelt Textur, Temperatur und Giesstechnik.

Caffè Latte #

Übliches Volumen: 220 bis 350 ml

Ein Caffè Latte enthält mehr Milch als ein Cappuccino und nur eine dünne Schaumschicht. Er ist mild, rund und leicht zugänglich, braucht aber dennoch einen Espresso mit genügend Charakter, damit dieser nicht verschwindet.

Ein einfacher Ausgangspunkt besteht aus einem doppelten Espresso, 180 bis 250 ml texturierter Milch und feinem Mikroschaum. Bei der Bohnenwahl hilft unser Ratgeber zum Kaffee für Caffè Latte zu Hause.

Flat White #

Übliches Volumen: 150 bis 200 ml

Ein Flat White liegt zwischen Cappuccino und Caffè Latte. Er enthält häufig einen doppelten Espresso und sehr fein texturierten Mikroschaum, aber weniger Gesamtvolumen als ein Latte. Der Kaffee bleibt dadurch deutlicher wahrnehmbar.

Die Definition unterscheidet sich zwischen Australien, Neuseeland, Grossbritannien und europäischen Cafés. Gemeinsam ist den Varianten vor allem die Textur: wenig trockener Schaum und viel seidige Milch.

Cortado #

Übliches Volumen: 60 bis 120 ml

Ein Cortado ist ein Espresso, der mit einer ungefähr gleich grossen Menge warmer Milch «geschnitten» wird. Der Kaffee bleibt prägnant, während die Milch Säure und Bitterkeit abrundet. Er ist eine gute Wahl, wenn Ihnen ein Cappuccino zu milchig erscheint.

Als praktischer Richtwert gilt ein Teil Espresso zu einem Teil warmer Milch. Je nach Tasse kann etwas mehr Milch verwendet werden.

Macchiato #

Übliches Volumen: 30 bis 60 ml

Macchiato bedeutet «befleckt»: Ein Espresso wird mit einer kleinen Menge Schaum oder Milch markiert. Er ist nicht mit dem deutlich grösseren und milchigeren Latte macchiato zu verwechseln.

Wählen Sie ihn, wenn Sie die Intensität des Espressos mit nur wenig mildernder Milch behalten möchten.

Latte macchiato #

Übliches Volumen: 250 bis 350 ml

Beim Latte macchiato wird die Idee umgekehrt und die Milch mit Espresso «befleckt». Warme Milch und Schaum kommen meist zuerst in ein hohes Glas, danach folgt der Espresso. So entstehen sichtbare Schichten.

Das Getränk ist milder und auffälliger als ein klassischer Caffè Latte, stellt aber häufig die Präzision des Espressos weniger in den Mittelpunkt.

Mocha #

Übliches Volumen: 220 bis 350 ml

Ein Mocha verbindet Espresso, warme Milch und Schokolade. Je nach Rezept stammt die Schokolade aus Sirup, Sauce oder Kakaopulver. Das Ergebnis ist ein Dessertgetränk, das einer koffeinhaltigen heissen Schokolade ähnelt.

Verwenden Sie weniger süsse Schokolade, wenn der Kaffee bereits rund wirkt, und einen ausreichend kräftigen Espresso, damit die Tasse nicht schwer und überzuckert wird.

Kaffee als Dessert oder mit Alkohol #

Affogato #

Übliches Volumen: variabel

Ein Affogato ist eher ein Dessert als ein Kaffee: Heisser Espresso wird über eine oder zwei Kugeln Glace, meistens Vanille, gegossen. Der Kontrast zwischen heiss und kalt macht den Reiz aus. Servieren Sie ihn sofort, bevor alles schmilzt.

Wiener Kaffee #

Übliches Volumen: 120 bis 200 ml

Wiener Kaffee kombiniert Kaffee oder verlängerten Espresso mit Schlagrahm. Er ist reichhaltig und eher eine Dessertpause als ein Degustationskaffee. Die Qualität des Rahms zählt ebenso wie jene des Kaffees.

Irish Coffee #

Übliches Volumen: 120 bis 180 ml

Irish Coffee verbindet heissen Kaffee, irischen Whiskey, Zucker und leicht geschlagenen Rahm. Wegen des Alkohols gehört er eher zu den Cocktails als zum täglichen Kaffee. Geniessen Sie ihn massvoll und behandeln Sie ihn nicht wie ein harmloses Energiegetränk.

Auswahl nach Geschmack #

  • Für eine kurze, intensive Tasse: Espresso, Ristretto oder doppelter Espresso.
  • Für einen grossen schwarzen Kaffee: Americano für ein Espressoprofil, Filterkaffee für mehr Klarheit.
  • Für Milch mit deutlich erkennbarem Kaffee: Cortado oder Flat White.
  • Für ein mildes und cremiges Getränk: Caffè Latte oder Latte macchiato.
  • Für klassischen Schaum: Cappuccino.
  • Als Dessert: Mocha, Affogato oder Wiener Kaffee.

Häufige Fehler #

Der erste Fehler besteht darin, Serviermengen für universell zu halten. Ein traditioneller italienischer Espresso von 25 ml, ein moderner nach Gewicht gemessener Espresso und eine Espressokapsel ergeben nicht genau dasselbe Getränk.

Der zweite Fehler ist die Verwechslung von Intensität und Koffein. Ein Ristretto schmeckt kräftig, doch eine grosse Tasse Filterkaffee kann insgesamt mehr Koffein enthalten. Entscheidend sind Trinkmenge, Konzentration, Bohne und Rezept.

Der dritte Fehler ist ein vernachlässigter Mahlgrad. Eine ungeeignete Einstellung kann zu einem sauren, bitteren oder hohlen Espresso beitragen. Prüfen Sie aber auch Dosis, Verhältnis, Temperatur und Verteilung des Kaffeemehls. Wenn Sie Bohne, Dosis oder Methode wechseln, sollten Sie den Mahlgrad neu beurteilen.

Erhitzen Sie Milch zudem nicht automatisch bis zum Verbrühen. Etwa 55 bis 65 °C sind ein häufiger Startbereich für einen süssen Eindruck und geschmeidigen Schaum, aber keine universelle Vorgabe. Produkt, Thermometer und gewünschtes Ergebnis spielen ebenfalls eine Rolle. Beachten Sie die Anleitung Ihres Geräts und die geltenden Hygieneregeln.

Fazit #

Kaffeegetränke sind mehr als eine Liste italienischer oder englischer Namen. Hinter ihnen stehen konkrete Entscheidungen zu Wasser, Druck, Mahlgrad, Dosis, Milch, Schaum und Tassengrösse. Lernen Sie die wichtigsten Anhaltspunkte und vergleichen Sie dann beim Degustieren. So lässt sich am zuverlässigsten verstehen, weshalb ein Cortado direkter wirkt als ein Latte, ein Lungo bitter werden kann oder guter Filterkaffee nicht kräftig schmecken muss, um aromatisch zu sein.

Mit diesen Grundlagen fällt sowohl die Bestellung im Café als auch die Zubereitung eines passenden Getränks zu Hause leichter.

Wichtigste Quellen #